Die Anstandslosigkeit der Vilnius „Anständigen“

Operation Gladio ist der Codename für geheime „Stay-behind“-Operationen des bewaffneten Widerstands, die von der Western Union (WU) und anschließend von der NATO und der CIA in Zusammenarbeit mit mehreren europäischen Geheimdiensten organisiert wurden.

Die Operation war für eine mögliche Invasion des Warschauer Pakts und die Eroberung Europas konzipiert. Obwohl sich Gladio speziell auf den italienischen Zweig der Stay-behind-Organisationen der NATO bezieht, wird „Operation Gladio“ als informeller Name für alle verwendet. Stay-behind-Operationen wurden in vielen NATO-Mitgliedstaaten und einigen neutralen Ländern vorbereitet. EVOLUTION IN EUROPE; Italy Discloses Its Web Of Cold War Guerrillas

Die Show gehört zum Geschäft – gerade in unserer multimedialen Welt, in der Bilder mehr zählen als Inhalte. Oder gibt es einen rationalen Grund, warum man sich im edel eingerichteten Präsidentenpalast mit brauner Militärkleidung „tarnen“ muss? Das Setting stimmt und die Medienarbeit der ukrainischen Regierung ist wirklich fantastisch. Man muss den PR-Profis, die Selenskyj so wirkungsvoll in Szene setzen, Respekt zollen. Das würde Hollywood nicht besser hinbekommen.

In Deutschland gilt er nun als Held. Ob das gut oder schlecht für ihn ist, sei dahingestellt – Helden überleben selten bis zum Abspann. Unser Heldenbild ist durch die militaristische Vergangenheit geprägt, die unsere Kultur kennzeichnet. Und das schon sehr lange. Julius Caesar war einer dieser Helden. Er überzog Europa mit Angriffskriegen und hatte sicher hunderttausende Leben auf dem Gewissen – junge Männer, die man als „Feind“ bezeichnete und junge Männer, die unter seinem Kommando standen. Söhne, Väter, Brüder, Ehemänner. Ihnen wurden freilich keine Statuen errichtet. Dabei wäre auch ein Caesar ohne ihren Tod nie der große Held geworden, als den man ihn verehrt. Unsere Geschichte strotzt nur so von großen Helden mit Blut an ihren Händen. Nur wer über Leichen geht, wird in unserer Kultur ein anerkannter Held.

In diesem Artikel der anerkannte „Held“ meldet Jens Berger Zweifel am Bild des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj als Helden an. Es wird darauf hingewiesen, dass er „früher einmal Schauspieler war und die Rolle des angeblich von der Welt alleingelassenen, kämpferischen Präsidenten, der sich verzweifelt gegen die Übermacht des Bösen zur Wehr setzt, wohl die Rolle seines Lebens“ sei. Aus „Propagandasicht“ sei er ein „Volltreffer“, aber „echte Helden führen keine Kriege, sie verhindern sie“. Ein „echter ukrainischer Held“ würde das Blutvergießen beenden. Wenn der Preis dafür die Neutralität und der Abbau militärischer Kapazitäten seien, sei das „kein hoher Preis“. Hierzu haben wir zahlreiche, auch hinterfragende Leserbriefe erhalten. Danke dafür.

Hier ist eine Auswahl von Leserbriefen. Zusammengestellt von Christian Reimann. Ich kann diese Heldenverehrung von Menschen, die andere Menschen in den Tod schicken, als sei deren Leben nichts wert und als würde es diesen Machthabern persönlich gehören, nicht verstehen. Eigentlich kann ich sie nicht einmal ertragen.

Ich träume von einer Welt voller Kriegs- und Kriegsdienstverweigerer. Helden sind für mich Menschen, die sich weigern die Befehle ihrer Obrigkeit auszuführen und für geopolitische Ziele, Ressourcen oder den anderen Dreck, der ihnen selbst rein gar nichts bedeutet, ihr kostbares zu Leben geben (oder anderes kostbares Leben zu nehmen).

Wie der „heldenhafte Tod“ und der „Mut, sich zu wehren“ hier bei uns in den Medien und in der Gesellschaft gefeiert wird, ist doch einfach nur krank. Und die Folge ist, dass jeden Tag noch mehr Menschen sterben oder für immer traumatisiert werden.

Die Generalmobilmachung in der Ukraine hat mir das Blut in den Adern gefrieren lassen. Ich konnte kaum glauben, dass Selenskij auf intensivste Weise seine Zivilisten in diesen Krieg hineinzieht. Und dann hat weit und breit keiner etwas dagegen gesagt, als sei es eine vollkommene Selbstverständlichkeit, Menschen die Flucht aus einem Kriegsgebiet zu verbieten. Wie grausam. Meine Heldinnen sind in diesem Zusammenhang zwei Mütter, deren Geschichte ich im privaten Umfeld mitbekommen habe: Sie haben, als die Vermutung über die Generalmobilmachung die Runde machte, aber diese noch nicht offiziell angeordnet war, ihre etwa 19jährigen Söhne in einer Nacht- und Nebelaktion nach Ungarn gebracht. Sie haben damit die kostbaren Leben ihrer Kinder gerettet. Wahre Heldinnen. Nachdenkseiten ein Leserbriefe zu „Ein Held unserer Zeit“

Während bis vor Kurzem im sich selbst als „linksliberal“ verortenden Milieu schon „Mikroaggressionen“ (also etwa die Frage „Woher kommst du?“ an einen dunkelhäutigen Menschen) und Nationalismus und Heldentum („toxische weiße Männer“) geradezu als die Inkarnation des Bösen angesehen wurden, kann es Vielen jetzt gar nicht patriotisch, heldenhaft, kriegerisch und feindselig genug sein. Außenministerin Annalena Baerbock etwa verkündet in Bezug auf die EU-Sanktionen: „Das wird Russland ruinieren“. So also sieht feministische Außenpolitik aus. Unser Autor Udo Brandes hat in diesem Zusammenhang eine Erfahrung gemacht, die ihn dazu inspirierte, mal über das Gut und Böse und das Richtig und Falsch in der Politik nachzudenken. Was sind die westlichen Werte wirklich wert?

Dieser Krieg von Putin ist ohne Wenn und Aber ein schweres Verbrechen. Wenn ich also eine Kapitulation der Ukraine für zumindest bedenkenswert halte, heißt das natürlich nicht, dass ich Putins Krieg gegen die Ukraine rechtfertigen will. Auch nicht mit dem Argument, dass die NATO eine aggressive Erweiterungspolitik betrieben hat. Denn auch dann darf man nicht einfach ein Land bombardieren und zerstören – und Menschen töten, die im Übrigen auch nicht verantwortlich sind für die Politik der NATO. Gut und Böse und Richtig und Falsch in der Politik – Was heißt das konkret im Ukrainekrieg?

CIA-Foltergefängnisse: „Hinweise auf deutsche Beteiligung“

Durch Untersuchungen ist bekannt, dass die CIA im Anti-Terror-Kampf gefoltert hat – auch in Europa. Das EU-Parlament pocht auf Aufklärung – laut dem Grünen-Politiker Albrecht ist auch eine deutsche Beteiligung an den Vorgängen nicht auszuschließen. Von B5-AudioB5-Audio

Waterboarding, also referred to as “water torture, simulated drowning, interrupted drowning, and controlled drowning” involved forcing a detainee to lie on a “board” on his back and pouring water over a cloth covering the detainee’s face, creating a sensation of drowning. The CIA’s interrogation program used this technique widely, and detainees were often waterboarded repeatedly, in excess of the CIA’s own guidelines, drafted by the Office of Medical Services (OMS), which limited waterboarding to 20 times per week or “up to three waterboard sessions in a 24-hour period.” Khalid Sheikh Mohammad (KSM) was waterboarded “more than 65 [times]…between the afternoon of March 12 2003, and the morning of March 13, 2003.” In total, KSM was waterboarded “at least 183 times;” at one point his treatment was described as a “series of near drownings.” 

Abu Zubaydah was “subjected to the waterboard ‘2 – 4 times a day…with multiple iterations of the watering cycle during each application.” Zubaydah eventually became so “compliant” that “when the interrogator ‘raised his eyebrow without instructions,’ [he] ‘slowly walked on his own to the water table and sat down,’” and “[w]hen the interrogator ‘snapped his fingers twice,’ Abu Zubaydah would lie flat on the waterboard.” Zubaydah was at times described as “hysterical” and “distressed to the level that he was unable to effectively communicate.” His “[w]aterboarding sessions ‘resulted in immediate fluid intake and involuntary leg, chest and arm spasms’ and ‘hysterical pleas.’” In “at least one waterboarding session, Abu Zubaydah “became completely unresponsive, with bubbles rising through his open, full mouth” and required “medical intervention.” 

The CIA often downplayed the extent of waterboarding in reports to the administration, and said that it used waterboarding only after other techniques were unsuccessful. In fact, the CIA began designing an interrogation plan for Zubaydah the day he was captured, without waiting to see if he would respond to non-coercive techniques. In KSM’s case, a CIA medical officer said “[CIA] HQ was more or less demanding that [the waterboard] be used early and often.” Some CIA medical officers and other personnel raised concerns about waterboarding, which were ignored. A medical officer expressed concern that KSM was being waterboarded too frequently, and emails concerning Zubaydah’s waterboarding (the names of the senders and receivers are redacted), describes it as “visually and physically uncomfortable,” something that “profoundly affected…some to the point of tears and choking up,” and it was noted that two or three personnel would elect to be transferred if it continued. The CIA’s own records disprove its claims that waterboarding led to useful intelligence. – SENATE REPORT ON CIA TORTURE Waterboarding

Quelle ist der „Spiegel“

In einem Geheimgefängnis bei Vilnius folterte die CIA einst Terrorverdächtige. Nun will Litauen die Immobilie loswerden – inklusive fensterloser und schalldichter Räume, in denen man »tun konnte, was man wollte«.

Das Besondere an der Immobile ist, was einst in ihrem Inneren geschah: Der amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA nutzte das Gebäude in Antaviliai zwischen 2005 und 2006 als Geheimgefängnis – und folterte darin Terrorverdächtige. »Das war ein stark bewachtes Gebäude, in dem man tun und lassen konnte, was man wollte«, sagt Arvydas Anusauskas, der 2010 eine Untersuchung des litauischen Parlaments zu dem Standort leitete. »Was genau dort vor sich ging, haben wir nicht festgestellt.«

Zain al-Abidin Mohammed Hussein, soll von Februar 2005 bis März 2006 in dem Geheimgefängnis eingesperrt gewesen und auch gefoltert worden sein. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte sprach dem Mann 100.000 € Entschädigung zu, weil Litauen gegen europäisches Recht verstoßen habe, indem es der CIA erlaubte, Geheimgefängnisse und Folter im Land zu betreiben. Obgleich sich die Vorwürfe der USA, der Terrorgruppierung Al-Qaidaals anzugehören, als falsch herausstellten, ist er noch immer seit über 20 Jahren in Haft. (der Spiegel gibt als Quelle die Nachrichtenagentur Reuters (aar/Reuters) an und beruft sich auf den britischen »Guardian« )

Solche geheimen Foltergefängnisse der CIA gab es in Europa auch in Polen, Rumänien, Bulgarien, Mazedonien und der Ukraine (laut Wikipedia). Auch Polen musste 2 mal 100.000 € Schadensersatz zahlen (Quelle „Zeit“ vom 12.12.2014). Bevor die USA sich von Syrien abgewendet haben, hat auch Syrien für die CIA gefoltert. (b.k.) zum Artikel

Folgt auf Putins strategischen Fehlschlag in der Ukraine ein Machtkampf um den Kreml? Präsident Bidens Warschauer Grundsatzrede lässt erkennen, dass über Szenarien nachgedacht wird, in denen es nicht nur um das Schicksal der Ukraine, sondern um die Zukunft Russlands geht, meint der ehemalige deutsche Botschafter in Afghanistan, Hans-Ulrich Seidt, der zudem die Frage stellt, ob es einen Regime Change in Russland geben könnte.

Auch in Berlin gibt es derzeit viele Fragen: Wie soll der russische Präsident gestoppt werden? Können die von der Ampel-Koalition beschlossenen Maßnahmen gegen hohe Energiekosten die Bevölkerung entlasten? Und ist die Hoffnung auf ein friedliches Europa für lange Zeit vorbei? Über dies und mehr sprach gestern Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bei Anne Will. Cicero-Redakteur Ben Krischke hat die Sendung gesehen. In Erinnerung geblieben ist für ihn ein Scholz’sches „Wir schaffen das“.

Heute in meinen Mailbriefkasten

 
Liebe Leserinnen und Leser,
 
folgt auf Putins strategischen Fehlschlag in der Ukraine ein Machtkampf um den Kreml? Präsident Bidens Warschauer Grundsatzrede lässt erkennen, dass über Szenarien nachgedacht wird, in denen es nicht nur um das Schicksal der Ukraine, sondern um die Zukunft Russlands geht, meint der ehemalige deutsche Botschafter in Afghanistan, Hans-Ulrich Seidt, der zudem die Frage stellt, ob es einen Regime Change in Russland geben könnte. Auch in Berlin gibt es derzeit viele Fragen: Wie soll der russische Präsident gestoppt werden? Können die von der Ampel-Koalition beschlossenen Maßnahmen gegen hohe Energiekosten die Bevölkerung entlasten? Und ist die Hoffnung auf ein friedliches Europa für lange Zeit vorbei? Über dies und mehr sprach gestern Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bei Anne Will. Cicero-Redakteur Ben Krischke hat die Sendung gesehen. In Erinnerung geblieben ist für ihn ein Scholz’sches „Wir schaffen das“. Geschafft haben wir derweil fast auch die Pandemie. Zu verdanken ist das u.a. Experten wie Andrew Ullmann. Als der im Jahr 2017 erstmals in den Bundestag gewählt wurde, ahnte er nicht, dass sein erlernter Beruf ihn schon bald in dramatischer Weise einholen würde. Denn Ullmann ist Professor für Infektiologie und hat sich schon früh in seiner wissenschaftlichen Karriere mit ansteckenden Krankheiten befasst. Anfang 2020 kam dann das Coronavirus in Deutschland an – und der FDP-Abgeordnete war einer der ganz wenigen Politiker mit echter Expertise. Doch auch er wurde von der Pandemie kalt erwischt, weil damals einfach noch zu wenig über den Erreger bekannt war. Inzwischen ist Ullmann nicht nur Corona-Experte, sondern hat auch enorm viel über den politischen Umgang mit einer Epidemie gelernt. Darüber redet er im aktuellen Cicero-Podcast. Seine Schlussfolgerung aus den letzten zwei Jahren: „Das darf sich nicht wiederholen“Ihr Ralf Hanselle, stellvertretender Chefredakteur

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